Freimaurerei in Stuttgart und Württemberg

Freimaurer Stuttgart - 260 Jahre bewegte Geschichte

Lessings Aussage "Freimaurerei war immer" soll auf den geistigen Bezug und damit den "offenen" Beginn der Freimaurerei hindeuten. Den ideellen Beginn mag man in der Renaissance, spätesten jedoch in der Aufklärung sehen. Mit verschiedenen Manuskripten aus dem 14. und 15. Jahrhundert, den ersten Logen in Schottland und England im 17. und 18. Jahrhundert beginnen die greifbaren Nachweise.

Auch nach 260 Jahren herrscht ungebrochenes Interesse für die Freimaurerei und viele Männer stellen sich die Frage: Wie wird man Freimaurer?

Doch welche Geschichte steht hinter der Freimaurer Stuttgart?

Mit der Hamburger Logengründung im Jahr 1737 hält die Freimaurerei und ihre Logen den Einzug in Deutschland.

1762 erhalten Württemberger Offiziere von einer Militärloge in Magdeburg das Patent zur Gründung einer Loge in Württemberg mit dem Namen "la parfaite Union" [Zur vollkommenen Einigkeit] mit Sitz in Ludwigsburg.

Beide Logen müssen 1784 auf Befehl von Carl Eugen Herzog von Württemberg ihre Arbeiten einstellen, da sie "von der Regierung mit Misstrauen beobachtet wurden".

Während der Verbotszeit (1784 – 1835) wird in der freien Reichstadt Heilbronn 1809 die Loge "Zum Felsen der Wahrheit" gegründet, muss aber bereits im Jahr ihrer Gründung die Arbeit wieder einstellen.

Der Startschuss: Freimaurer Stuttgart

1835 entsteht die Stuttgarter Freimaurerloge "Wilhelm zur aufgehenden Sonne"; 1840 als Ausgliederung die Reaktivierung der Loge "Zu den drei Cedern"; 1843 die Reaktivierung der 1789 gegründeten Ulmer "Asträa zu den drei Ulmen" als "Carl zu den drei Ulmen"; 1855 die Neugründung der Logen in Heilbronn "Carl zum Brunnen des Heils" und in Ludwigsburg "Johannes zum wiedererbauten Tempel" sowie die Neugründung von Logen 1859 in Schwäbisch Hall "Carl zu den sieben Burgen" und 1886 in Reutlingen "Zur Glocke am Fuße der Alb".

Von diesen sieben Württemberger Logen arbeiten zwei unter der Großloge "Zur Sonne", Bayreuth und fünf unter der "Großloge von Hamburg" [Stand: 1914]. Eine Großloge vereinigt als höchste freimaurerische Organisationsstufe die Logen eines Landes; damals also Königreich Bayern (Bayreuth) und das "Land (Stadtstaat)" Hamburg.

Nachdem die Freimaurerei vor dem Württemberger Verbot durch Mystiker, Scharlatane und Fantasten inneren Widersprüchen ausgeliefert war, erlebt sie nun ein starkes Wachstum in Württemberg wie auch im gesamten Deutschen Reich.

In der Zeit zwischen der Aufhebung des Württemberger Verbots und dem ersten Weltkrieg werden neben den oben erwähnten Reaktivierungen und Neugründungen auch Freimaurerische Kränzchen gegründet. Wie 1904 in Schwäbisch Gmünd, 1908 in Göppingen und 1909 in Stuttgart.

Das Stuttgarter Kränzchen "Eberhard im Bart" wird 1913 in die Loge "Licht am Stein" überführt bzw. umgegründet, das Schwäbisch Gmünder Kränzchen 1979 in die Loge "Zu den drei Rosen im Remstal" 1906 wird die Heilbronner Loge "Furchtlos und Treu" gegründet.

Die entstandenen Verwerfungen des ersten Weltkrieges betreffen die Logen in ganz Deutschland. Gleichermaßen aber alle gesellschaftlichen und kulturellen Einrichtungen. Aus Logenhäusern werden Lazarette, die durch die Not bedingten Umwälzungen bestimmen den Lebensalltag.

Aber die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen stellt die Freimaurerei durch den aufkommenden Nationalsozialismus vor noch größere, weil existenzielle Herausforderungen. Ab 1933 beginnen die Auflösungen einzelner Logen - bis das Verbot 1935 das vorläufige Ende der deutschen Freimaurerei darstellt.

Ist die sich 1945 in Stuttgart bildende Sammelloge – die neue freimaurerische Heimat für die sich sammelnden Brüder der Freimaurer Stuttgart nach dem zweiten Weltkrieg - eine Antwort? Die zeitlose Idee der Freimaurerei bestätigt und bejaht diese Frage!

Untrennbar zum Neubeginn der Freimaurerei und Freimaurerlogen nach dem zweiten Weltkrieg gehören der Freimaurer und Kommandant der US-Militärregierung für Nordwürttemberg und Nordbaden, bis 1942 Professor der Rechte an der University in Cleveland, Bruder William Dawson sowie der Freimaurer, promovierte Jurist und Ministerpräsident des von der US-Militärregierung einberufenen Landes Württemberg-Baden und spätere Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, Bruder Reinhold Maier.

Die Freundschaft dieser beiden Männer - Freimaurer Stuttgarts und den USA – aus "damaligen" zwei Welten stammend - ermöglicht neben der Gründung einer neuen Freimaurerloge, Stuttgart auch die Gründung der ersten Bundesgroßloge von Deutschland "Zu den Alten Pflichten" in Stuttgart.

Von den damaligen - in der Sammelloge vereinigten - ehemaligen Logen, den Stuttgarter Freimaurer Logen "Zu den drei Cedern", "Wilhelm zur aufgehenden Sonne", "Licht am Stein", "Brudertreue am Wirthemberge", "Erwin zur Treue am Rosenstein", "Lessing zu den drei Ringen" sowie dem Esslinger Kränzchen "Zur Katharinenlinde" arbeiten heute noch "Furchtlos und Treu", "Zu den drei Cedern", "Licht am Stein" und "Katharinenlinde" in Esslingen.

Gemeinsame Tempelarbeiten, gesellschaftliches Miteinander und brüderliche Gemeinschaften prägen die Freundschaft der Freimaurer Stuttgart auf freimaurerischer Ebene.

In Heidenheim an der Brenz wird 1952 die Freimaurer-Loge "Am hellen Stein" gegründet, 1964 nach Schorndorf verlegt, wo sie 1969 ihre Arbeit einstellt. Von 1953 – 1975 arbeitet die Loge "Zu den drei Rosen an der Brenz" in Heidenheim.

Für die Freimaurer Stuttgart lässt sich von 1957 – 1958 berichten, dass die Loge "Paracelsus" und von 1960 – 1961 die Loge "Meister von Hohenheim" existieren.

Weiterhin werden in Stuttgart 1970 die Loge "Sarastro" und 1986 die Loge "Erasmus", in Ulm 1984 die Loge "C.D. Hassler" gegründet. Von 2001 – 2012 besteht in Aalen die Loge "Limes".

Von den aufgeführten Württemberger Logen der vergangenen rund 260 Jahre arbeiten heute – nach mehrfachem Verbot und zwei Weltkriegen – weiterhin 15 Logen in Württemberg.

Ist die Freimaurerei eine "gelebte Utopie"? "Ja, eine Utopie, aber ohne die die Wirklichkeit die Chance ihres Fortbestandes verlöre." [Antoine de Saint-Exupéry]